| (Bild links: Interpretation von C.
Ghouri des Bildes "Mädchen mit Perlenohrring" von J. Vermeer)
Ausstellungsbeschreibung
Auf den Spuren von
Johannes Vermeer
– Teil I
Das Mauritshuis in Den Haag
Im Rahmen meiner wöchentlichen Malstunde zeigt mir Claudia
irgendwann einmal ein Buch mit den Werken von Johannes Vermeer, einem
niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts. Ich ließ mich von ihrer
Begeisterung anstecken und schließlich kam mir die Idee mir einige seiner
insgesamt sehr wenigen Werke im Original anzusehen. Über diese Besuche
werde ich in den folgenden Wochen berichten.
Die meisten Werke von Johannes oder auch Jan Vermeer befinden
sich in Den Haag und Amsterdam sowie in London. Der Rest der Bilder
befindet sich in verschiedenen Museen in Europa und den USA. In
Deutschland findet sich in Berlin, Dresden und eben in Frankfurt je ein
Werk Vermeers.
Im Mauritshuis sind u. a. das „Mädchen mit dem Perlenohrring“
und die „Ansicht von Delft“ ausgestellt. Mit letzterem Gemälde ist Vermeer
bekannt geworden. Zum Zeitpunkt meines Besuches fanden in diesem Museum
gerade umfangreiche Renovierungsarbeiten statt. Nur ein kleiner Teil der
Ausstellung konnte besichtigt werden, aber die Gemälde Vermeers waren zu
sehen. Zudem war der Eintritt frei.
Als ich dann vor den Werken Vermeers stand, war ich sehr
beeindruckt. Völlig unerwartet stellte ich allerdings fest, dass die
„Ansicht von Delft“ bei mir einen sehr viel tiefern Eindruck hinterließ
als das „Mädchen mit dem Perlenohrring“ (Öl auf Leinwand, 45x40cm). Das
mag daran liegen, dass das Originalbild des Mädchens dem entsprach, was
ich erwartet hatte. Die Fotografien, die ich vorher gesehen hatte, haben
das Bild recht gut wiedergegeben. Das Zusammenspiel der Farben war
wunderschön. Trotz des Alters des Bildes strahlten sie noch immer. Die
Haut des Mädchens wirkte genauso zart wie auf den Fotos und die Augen
genauso warm und lebendig. Man hatte wirklich den Eindruck, als ob das
Mädchen gerade in diesem Moment den Kopf dem Betrachter zuwenden würde.
Von der „Ansicht von Delft“ (Öl auf Leinwand, 98,5x117,5cm)
hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nur ein sehr kleines und dunkles Foto
gesehen. Als ich dann vor dem Gemälde stand, war ich erst einmal
sprachlos, denn das Foto entsprach um Längen nicht dem Original. Als
erstes beeindruckte mich die Größe des Bildes. Die meisten Werke Vermeers
sind deutlich kleiner. Umwerfend war für mich jedoch die Detailtreue
mit der Vermeer seine Heimatstadt Delft dargestellt hat. Besonders gut ist
dies bei den Ablagerungen an einer Schiffswand sowie den Mauerwerken zu
sehen. Bei einer
Baumkrone ist die Farbe reliefartig aufgetragen worden, so dass die
Plastizität der Baumkrone noch deutlicher wird. Mit am schönsten und
feinsten ausgearbeitet ist jedoch die Turmspitze einer gotischen Kirche im
Hintergrund. Die Kirchturmspitze sticht hervor, weil sie im Gegensatz zu
den anderen Gebäuden sehr hell ist, obwohl sie im Hintergrund steht. Die
Charakteristik des Kirchturms muss mit einem besonders feinen Pinsel und
einer unglaublich ruhigen Hand gemalt worden sein.
Was Vermeer auch ausgesprochen gut gelungen ist, ist die
Gestaltung des Himmels. Die Darstellung der Wolken wirkt sehr
plastisch. Im Mauritshuis sind noch diverse Landschaftsgemälde von
anderen Künstlern ausgestellt, doch doch bei keinem anderen Bild ist der Himmel mit den Wolken so gut gelungen wie
bei Vermeer.
Autorin: Kristina Lessmann
Datum: 26.11.2007 |